- ABI (Application Binary Interface)
- Schnittstelle auf Maschinenebene: welche Register Argumente tragen, wie Datenstrukturen im Speicher liegen usw. Die Systemaufruf-ABI von Linux bleibt stabil.
- Ausnahme (Exception)
- Von der CPU selbst ausgelöste Unterbrechung als Folge des gerade ausgeführten Befehls, etwa ein Seitenfehler oder eine Division durch null.
- Benutzermodus
- Eingeschränkter Betriebsmodus der CPU für Anwendungen. Privilegierte Befehle lösen eine Ausnahme aus. Auf x86 Ring 3.
- Copy-on-Write (CoW)
- Technik, bei der mehrere Nutzer zunächst dieselbe Speicherseite verwenden. Erst wenn einer schreibt, erhält er eine eigene Kopie. Macht fork() schnell und spart Speicher.
- EEVDF
- Earliest Eligible Virtual Deadline First: seit Linux 6.6 der Algorithmus für normale Tasks. Unter den Tasks, die noch CPU-Zeit „gut haben“, läuft der mit der frühesten virtuellen Deadline.
- errno
- Variable der C-Bibliothek (pro Thread), in der die Fehlerursache des letzten fehlgeschlagenen Aufrufs steht, z. B. ENOENT für „Datei nicht gefunden“.
- GPLv2
- GNU General Public License, Version 2 – die Lizenz des Linux-Kernels. Veränderte Versionen müssen bei Weitergabe ebenfalls im Quellcode verfügbar gemacht werden.
- Huge Page
- Speicherseite, die größer als die Standardgröße ist, auf x86-64 2 MiB oder 1 GiB. Spart Einträge in Seitentabellen und im TLB.
- initramfs
- Kleines Dateisystem-Archiv, das der Bootloader zusammen mit dem Kernel lädt. Der Kernel entpackt es in den RAM und startet daraus das erste Programm (/init), das das echte Root-Dateisystem vorbereitet.
- Interrupt
- Signal eines Geräts (oder der CPU selbst), das den laufenden Code unterbricht, damit der Kernel ein Ereignis behandeln kann.
- KASLR
- Kernel Address Space Layout Randomization: Der Kernel wird bei jedem Start an eine zufällige Adresse geladen, damit Angreifer die Lage von Kernel-Code nicht vorhersagen können.
- Kernel-Modul
- Zur Laufzeit ladbarer Teil des Kernels (Datei mit Endung .ko), meist ein Gerätetreiber oder Dateisystem.
- Kernel-Thread
- Task, der ausschließlich im Kernelmodus läuft und keinen eigenen User-Space-Adressraum hat. In ps erscheint er in eckigen Klammern, z. B. [kworker/0:1].
- Kernelmodus
- Privilegierter Betriebsmodus der CPU, in dem alle Befehle und der gesamte Speicher zugänglich sind. Auf x86 Ring 0.
- Kontextwechsel
- Umschalten der CPU von einem Task auf einen anderen: Register, Stack und ggf. Adressraum werden ausgetauscht.
- LTS (Longterm Support)
- Kernel-Version, die über mehrere Jahre mit Fehlerkorrekturen und Sicherheitsupdates versorgt wird – in der Regel die letzte Version eines Kalenderjahres.
- MMU (Memory Management Unit)
- Hardware-Baustein der CPU, der virtuelle in physische Adressen übersetzt und dabei Zugriffsrechte prüft.
- nice-Wert
- Zahl von −20 bis 19, die die Priorität eines normalen Tasks beeinflusst. Höhere Werte bedeuten „netter zu anderen“, also weniger CPU-Anteil. Jede Stufe ändert den Anteil um etwa 10 %.
- OOM-Killer
- Notmechanismus des Kernels: Lässt sich trotz aller Maßnahmen kein Speicher mehr freimachen, beendet er gezielt einen Prozess, meist den mit dem größten Speicherverbrauch.
- Page Cache
- Teil des Arbeitsspeichers, in dem der Kernel Dateiinhalte zwischenspeichert, um Zugriffe auf Datenträger zu vermeiden.
- PID / TGID
- Process ID. Im Kernel hat jeder Task eine eigene PID; alle Threads eines Prozesses teilen sich zusätzlich die Thread Group ID (TGID). Was Programme mit getpid() als „PID“ sehen, ist die TGID.
- PID 1 (Init-Prozess)
- Der erste Prozess im User Space, heute meist systemd. Er ist Vorfahr aller anderen Prozesse und übernimmt verwaiste Prozesse. Endet er, löst der Kernel eine Panic aus.
- PTI (Page Table Isolation)
- Schutzmaßnahme gegen die Meltdown-Lücke: Im Benutzermodus ist der Kernel-Speicher nicht in den Seitentabellen eingeblendet, beim Eintritt in den Kernel wird umgeschaltet.
- Run-Queue
- Warteschlange der lauffähigen Tasks einer CPU (struct rq). Jede CPU hat ihre eigene.
- Seite (Page)
- Kleinste Einheit, in der die MMU Speicher verwaltet, auf x86-64 meist 4 KiB groß.
- Seitenfehler (Page Fault)
- Ausnahme, die die MMU auslöst, wenn für eine Adresse kein gültiger Seitentabelleneintrag existiert oder die Rechte nicht passen. Meist kein Fehler, sondern Anlass für den Kernel, Speicher bereitzustellen.
- Swap
- Bereich auf einem Datenträger (oder komprimiert im RAM), in den der Kernel selten benutzte anonyme Speicherseiten auslagert, um Arbeitsspeicher freizumachen.
- Systemaufruf (System Call)
- Kontrollierter Einsprung aus einem Anwendungsprogramm in den Kernel, um eine privilegierte Dienstleistung anzufordern, z. B. eine Datei zu lesen.
- Task
- Die Einheit, die der Linux-Scheduler verwaltet. Prozesse und Threads sind für den Kernel gleichermaßen Tasks (struct task_struct).
- TLB (Translation Lookaside Buffer)
- Kleiner, sehr schneller Cache in der CPU, der kürzlich benutzte Übersetzungen von virtuellen in physische Seitenadressen speichert.
- UEFI
- Unified Extensible Firmware Interface: moderne Firmware-Schnittstelle, die das klassische BIOS abgelöst hat. Startet Bootloader als EFI-Programme von einer FAT-formatierten EFI-Systempartition.
- vDSO
- Virtual Dynamic Shared Object: eine kleine, vom Kernel in jeden Prozess eingeblendete Bibliothek, mit der einige Aufrufe (z. B. clock_gettime) ohne Moduswechsel auskommen.
- Verdrängung (Preemption)
- Der Scheduler entzieht einem laufenden Task die CPU, ohne dass dieser sie freiwillig abgibt, etwa weil ein wichtigerer Task lauffähig geworden ist.
- VMA (Virtual Memory Area)
- Zusammenhängender Bereich im Adressraum eines Prozesses mit einheitlichen Rechten und gleicher Herkunft, etwa der Code eines Programms, der Heap oder eine eingeblendete Datei (struct vm_area_struct).
- Zombie-Prozess
- Beendeter Prozess, dessen Exit-Status der Elternprozess noch nicht mit wait() abgeholt hat. Belegt keine Ressourcen außer seinem Eintrag in der Prozesstabelle.